tiefgründig einsam oder sich im vergessen verlieren


Ich möchte mit ein paar Zeilen an eine wunderbare Frau erinnern, deren Leben mit 37 Jahren am 13.Juni 2004 auf den Pflastersteinen in München-Schwabing endete. Sie, die im Scheinwerferlicht stand, der die Presse folgte, starb tiefgründig einsam, weil sie sich im Vergessen verloren hatte.

Ihr Tod, zeigt wie schnell unsere Gesellschaft heute vergisst und das nur ein Motto zählt: „The Show Must Go on“

Jennifer Nitsch stürzte im Vollrausch in den Tod

Die Schauspielerin Jennifer Nitsch hatte 3,1 Promille Alkohol im Blut, als sie am vergangenen Sonntag aus ihrer Dachgeschoßwohnung stürzte. Die 37jährige war auf der Stelle tot.

(Zeitungsbericht FAZ 18.06.2004)

Fast genau dreizehn Jahre ist es her, dass Jennifer Nitsch aus dem Fenster ihrer Münchner Dachgeschosswohnung stürzte. Im Blut hatte sie über drei Promille Alkohol und starke Schmerzmittel. Bis heute ist ungeklärt, ob die Schauspielerin sich das Leben nahm oder ob es sich um einen tragischen Unfall handelte.
Nach ihren Vorsätzen für das neue Jahr befragt, antwortete Jennifer Nitsch im Dezember 2003: „Weniger arbeiten.“ Ansonsten, sagte sie, nehme sie sich gar nichts vor, schon gar nicht, mit dem Rauchen aufzuhören. „Ich bin nicht so ein Mensch, der sagt: ,So, jetzt ändern wir das mal.'“
Die gebürtige Kölnerin war als Schauspielerin eine Autodidaktin. eine Naturbegabung. Als sie 1991 in Sönke Wortmanns Kinoerfolg „Allein unter Frauen“ erstmals auffiel, schien sie wie aus dem Nichts zu kommen. An der Seite von Meret Becker und Carin C. Tietze spielte sie eine herbe Blondine in einer Frauen-WG, die den Macho Thomas Heinze zum Kochen brachte. Mit einer Reibeisenstimme, so rauchig, kalt und lasziv, dass einem ganz anders wurde. Sie wurde als „deutsche Sharon Stone“ gefeiert und bejubelt. Es war, als habe sie sich selbst erschaffen. Sie strahlte eine Kraft aus, die ihr im eigenen Leben fehlte.
13 Jahre sind seit Jennifer Nitschs tragischer Selbstaufgabe vergangen.
Leider gerät ihr Grab und auch ihr Name, immer mehr in Vergessenheit und es ist trostlos anzusehen, wie es mehr und mehr „verkümmert“! Aber irgendwie spiegelt dies auch das Leben von Jennifer wider.
Sie, die gerne mit ihrer herben Art, die ihre Verletzlichkeit übertünchen sollte Leute begeistern und faszinieren konnte, starb tiefgründig einsam.
Diese immerwährende, verzweifelte Suche, ohne die Hoffnung, am Ende das gefunden zu haben, wonach man suchte, ließ sich anscheinend nur noch im Vergessen verlieren.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Jennifer_Nitsch

3 Gedanken zu “tiefgründig einsam oder sich im vergessen verlieren

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