Unser Ort

Unser Ort,

wo Anfang und Ende

war und sein wird.

Unser Ort,

den wir gefunden, bezogen

und knallbunt ausgemalt haben.

Unser Ort,

an dem wir zusammenkommen

und die Welt zur Heimat wird.

Unser Ort,

der uns zum Uns machte

weil er uns Uns sein ließ.

©wortgefuehle

Jahrhundertlied von Erika Pluhar


Das -Jahrhundertlied- von Erika Pluhar, das Ihr weiter unten findet, ist für mich die schönste Liebeserklärung. Nicht nur an das Gegenüber, sondern auch an sich selbst. Es beschreibt das selbstverständliche Lieben um des Wesens Willen, egal wie die Beleuchtung ist und wie die Umstände sind.

Es ist die Freiheit lieben zu wollen, weil man lieben kann.

Jahrhundertlied 

Sollte ich es einmal schaffen

neben Dir bei mir zu bleiben

ohne mich verschließen zu müssen,

dann werde ich zu Dir gehen können

ohne Furcht.

Sollte ich es einmal schaffen

neben Dir unbeirrbar zu sein

ohne um mich schlagen zu müssen,

dann werde ich Dich umarmen können

ohne Traurigkeit.

Sollte ich es einmal schaffen

neben Dir mich selbst zu achten

ohne mich behaupten zu müssen,

dann werde ich Dich lieben können

ohne Schatten.

Erika Pluhar

Überholspur

Du holst mich ein,

einfach so und immer wieder

Du holst mich ein,

In Gedanken, Träumen und Gefühlen

Du holst mich ein,

im Glück, im Kummer und im Sein

Du holst mich ein,

am Tag, bei Nacht und was bleibt

Du holst mich ein

obwohl ich laufe, renne und fliege

Du holst mich ein,

nur bitte überhole mich nicht!

©wortgefuehle

Ich will nie selbstverständlich sein

Abwesenheit


Als ich, links neben ihr sitzend, mit dem Fuß gegen ihren Stuhl schlug und wahrnahm, daß ich ihn damit nach rechts verrückte, begriff ich, daß sie abwesend war.



Die Zeilen aus dem Buch -Idylle rückwärts – von Kurt Drawert zeigt ein Problem in unserer Zeit, das einfach als selbstverständlich hingenommen wird, nämlich die Selbstverständlichkeit!
Ob im Miteinander im Beruf, Alltag oder Familie, wir erkennen selbstverständlich das nichts auf dieser Welt selbstverständlich ist, erst dann, wenn es selbstverständlich zu spät ist. 
Selbstverständlich ein Wort das leider selbstverständlich geworden ist!


©wortgefuehle

Mehr denn je

Mehr denn je denke ich über diesen Text von  Erika Pluhar, einer meiner Lieblingskünstlerinnen nach. 

Vielleicht liegt es daran, das ich in drei Jahren die 6 vor den weiteren Lebensziffern stehen habe, oder aber an der Tatsache, daß ich nie mein Gefühl, die Lust am Leben und Lieben und mich verlieren werde. Werde, weil ich bin wie ich bin.

Was heißt das nur, ich werde alt?

Was heißt das nur, wie soll ich es empfinden?

Ich kann den Morgenhimmel in mir finden

Und Frühlingsstürme – mehr denn je.

Was heißt das nur, ich werde alt?

Was heißt das nur, wie soll man es verstehen?

Ich kann wohl meine Hände altern sehen,

Doch schön ist das Berühren – mehr denn je

Mein Körper ist mir Freund,

Und meine Haut genießt den Wind wie eh und je.

Und all das, was ein reifer Mensch nicht mehr zu fühlen hat,

Das fühl ich mehr denn je.

Was heißt das nur, ich werde alt?

Was heißt das nur, wie soll ich es empfinden?

Ich kann so viel Verwirrung in mir finden

Und ungeduldig bin ich – mehr denn je.

Was heißt das nur, ich werde alt?

Was heißt das nur, wie soll man es verstehen?

Des Lebens Spuren kann ich auf mir sehen,

Doch geh ich neue Wege – mehr denn je.

Was heißt das nur, ich werde alt?

Was heißt das nur, wie soll ich das empfinden?

Ich kann den Morgenhimmel in mir finden

Und Frühlingsstürme – mehr denn je.

Erika Pluhar 

Regenmelodie

das Lied der Regentropfen an die Fensterscheibe

meine Seele summt es leise mit

öffnet mit leisen Tönen mein Fenster zum Ich

nimmt mich mit zum innehalten, träumen und loslassen

Sehnsucht, nach Regen auf der Haut, Sonne die sie trocknet

nur lauschen, achtsam dem Flügelschlag meiner Gefühlsgedanken

nur sein, sein wie ich bin.

©wortgefuehle

Haarige Liebesbeziehung

Boah…bin ich grau geworden

sagte ich dem Spiegel und mir.

wir mußten diese Farbe wählen

antworteten mir die Haare im Chor.

wieso denn gerade grau? 

ich darauf etwas vorwurfsvoll.

du weigerst Dich ja richtig erwachsen zu sein,

wir wahren zumindest die äußere Fassade.

wie meint ihr das?

ich in meiner kindlichen Neugier.

du bist unbedarft und leichtsinnig

statt genormt und ernst.

du glaubst der Sommer hat kein Ende

statt alles winterfest zu machen.

du läßt Gefühle fühlen

statt Gedanken denken

du hast viele Farben in Dir

statt seriös einfarbig zu sein.

Wir mußten grau werden

damit du weiter bunt sein kannst.

Warum seid ihr dann noch alle bei mir?

ausfallen wäre doch ein leichtes.

Du hast uns immer uns sein lassen,

ob schwarz, grau, kurz oder lang.

Ja natürlich, ich liebe euch genau wie ihr seid,

und was man liebt läßt man sich selbst sein.

Siehst du,

frag nie mehr warum wir bleiben.

©wortgefuehle

Vergessene Redewendungen

Jetzt stehst Du auf, gehst nochmal vor die Tür, und klopfst wieder an. Dann wartest Du auf das „komm doch bitte herein“ und wir beginnen von vorne.

Eine Redewendung die heute selten bis gar nie mehr gehört wird. Das finde ich sehr schade, würde doch das befolgen dieser Spielregeln Konflikten im privaten und geschäftlichen Bereich oft die Wucht nehmen oder erst gar nicht entstehen lassen.
Für mich ist es irgendwann (wieder) der bunte Faden in der Kommunikation geworden und er hilft mir ich selbst in Gesprächen oder Diskussionen zu sein. Oft verläuft man sich in hitzigen Streitgesprächen in das „Ich habe Recht“ und wird blind für die Signale und vielleicht auch für die leisen Hilferufe des Gegenübers. Rausgehen gibt uns die Zeit nochmal zu atmen, sich zu sammeln und uns auf den Grund zu gehen. Man zeigt aber auch Selbstvertrauen und Bestimmtheit.

Anklopfen signalisiert dem Menschen gegenüber jetzt bereit zu sein. „Komm doch bitte herein“ ist nicht nur der Höflichkeit geschuldet, sondern gibt dem anderem die Möglichkeit zu zeigen, ich bin es auch!

Das Gespräch findet dann in vielen Fällen in einer Atmosphäre statt, die von Respekt, Achtung und Verstehen wollen geprägt ist. 

Wir sind alle Menschen mit vielen bunten Punkten, suchen wir doch beim Gegenüber unsere Lieblingsfarbe, beginnen von dort aus über die anderen Farben an und in ihm zu reden!

©wortgefuehle