Ich will nie selbstverständlich sein

Abwesenheit


Als ich, links neben ihr sitzend, mit dem Fuß gegen ihren Stuhl schlug und wahrnahm, daß ich ihn damit nach rechts verrückte, begriff ich, daß sie abwesend war.



Die Zeilen aus dem Buch -Idylle rückwärts – von Kurt Drawert zeigt ein Problem in unserer Zeit, das einfach als selbstverständlich hingenommen wird, nämlich die Selbstverständlichkeit!
Ob im Miteinander im Beruf, Alltag oder Familie, wir erkennen selbstverständlich das nichts auf dieser Welt selbstverständlich ist, erst dann, wenn es selbstverständlich zu spät ist. 
Selbstverständlich ein Wort das leider selbstverständlich geworden ist!


©wortgefuehle

Mehr denn je

Mehr denn je denke ich über diesen Text von  Erika Pluhar, einer meiner Lieblingskünstlerinnen nach. 

Vielleicht liegt es daran, das ich in drei Jahren die 6 vor den weiteren Lebensziffern stehen habe, oder aber an der Tatsache, daß ich nie mein Gefühl, die Lust am Leben und Lieben und mich verlieren werde. Werde, weil ich bin wie ich bin.

Was heißt das nur, ich werde alt?

Was heißt das nur, wie soll ich es empfinden?

Ich kann den Morgenhimmel in mir finden

Und Frühlingsstürme – mehr denn je.

Was heißt das nur, ich werde alt?

Was heißt das nur, wie soll man es verstehen?

Ich kann wohl meine Hände altern sehen,

Doch schön ist das Berühren – mehr denn je

Mein Körper ist mir Freund,

Und meine Haut genießt den Wind wie eh und je.

Und all das, was ein reifer Mensch nicht mehr zu fühlen hat,

Das fühl ich mehr denn je.

Was heißt das nur, ich werde alt?

Was heißt das nur, wie soll ich es empfinden?

Ich kann so viel Verwirrung in mir finden

Und ungeduldig bin ich – mehr denn je.

Was heißt das nur, ich werde alt?

Was heißt das nur, wie soll man es verstehen?

Des Lebens Spuren kann ich auf mir sehen,

Doch geh ich neue Wege – mehr denn je.

Was heißt das nur, ich werde alt?

Was heißt das nur, wie soll ich das empfinden?

Ich kann den Morgenhimmel in mir finden

Und Frühlingsstürme – mehr denn je.

Erika Pluhar 

Regenmelodie

das Lied der Regentropfen an die Fensterscheibe

meine Seele summt es leise mit

öffnet mit leisen Tönen mein Fenster zum Ich

nimmt mich mit zum innehalten, träumen und loslassen

Sehnsucht, nach Regen auf der Haut, Sonne die sie trocknet

nur lauschen, achtsam dem Flügelschlag meiner Gefühlsgedanken

nur sein, sein wie ich bin.

©wortgefuehle

Haarige Liebesbeziehung

Boah…bin ich grau geworden

sagte ich dem Spiegel und mir.

wir mußten diese Farbe wählen

antworteten mir die Haare im Chor.

wieso denn gerade grau? 

ich darauf etwas vorwurfsvoll.

du weigerst Dich ja richtig erwachsen zu sein,

wir wahren zumindest die äußere Fassade.

wie meint ihr das?

ich in meiner kindlichen Neugier.

du bist unbedarft und leichtsinnig

statt genormt und ernst.

du glaubst der Sommer hat kein Ende

statt alles winterfest zu machen.

du läßt Gefühle fühlen

statt Gedanken denken

du hast viele Farben in Dir

statt seriös einfarbig zu sein.

Wir mußten grau werden

damit du weiter bunt sein kannst.

Warum seid ihr dann noch alle bei mir?

ausfallen wäre doch ein leichtes.

Du hast uns immer uns sein lassen,

ob schwarz, grau, kurz oder lang.

Ja natürlich, ich liebe euch genau wie ihr seid,

und was man liebt läßt man sich selbst sein.

Siehst du,

frag nie mehr warum wir bleiben.

©wortgefuehle

Vergessene Redewendungen

Jetzt stehst Du auf, gehst nochmal vor die Tür, und klopfst wieder an. Dann wartest Du auf das „komm doch bitte herein“ und wir beginnen von vorne.

Eine Redewendung die heute selten bis gar nie mehr gehört wird. Das finde ich sehr schade, würde doch das befolgen dieser Spielregeln Konflikten im privaten und geschäftlichen Bereich oft die Wucht nehmen oder erst gar nicht entstehen lassen.
Für mich ist es irgendwann (wieder) der bunte Faden in der Kommunikation geworden und er hilft mir ich selbst in Gesprächen oder Diskussionen zu sein. Oft verläuft man sich in hitzigen Streitgesprächen in das „Ich habe Recht“ und wird blind für die Signale und vielleicht auch für die leisen Hilferufe des Gegenübers. Rausgehen gibt uns die Zeit nochmal zu atmen, sich zu sammeln und uns auf den Grund zu gehen. Man zeigt aber auch Selbstvertrauen und Bestimmtheit.

Anklopfen signalisiert dem Menschen gegenüber jetzt bereit zu sein. „Komm doch bitte herein“ ist nicht nur der Höflichkeit geschuldet, sondern gibt dem anderem die Möglichkeit zu zeigen, ich bin es auch!

Das Gespräch findet dann in vielen Fällen in einer Atmosphäre statt, die von Respekt, Achtung und Verstehen wollen geprägt ist. 

Wir sind alle Menschen mit vielen bunten Punkten, suchen wir doch beim Gegenüber unsere Lieblingsfarbe, beginnen von dort aus über die anderen Farben an und in ihm zu reden!

©wortgefuehle

Werde ich im Winter noch Blumen finden

Und wieder war der Titel eines Buches der Grund es haben zu müssen.

Habe gerade in meiner Buchhandlung ein neues Objekt der Begierde bestellt. Ich freue mich sehr darauf. Einige von Euch haben es bestimmt schon gelesen. 

Brigitte Cleve, eine starke Frau und Persönlichkeit (mein Empfinden) lässt etwas in ihr Leben schauen. Werde Euch dann natürlich berichten.

Kurzbeschreibung:
Wie wird ein Mensch zu dem, der er ist? 

In ihrer mitreißenden Autobiografie geht Brigitte Cleve auf Spurensuche. Sie schildert ihre Erlebnisse vor dem Hintergrund zeitgeschichtlicher Ereignisse von der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute, 2008. Ihre persönliche Geschichte ist nicht weniger wechselvoll. Aufgewachsen in einem konservativ-katholischen Milieu in den 50ern, bleibt ihr als Mädchen zunächst eine Lehre als Bankkauffrau verwehrt. Doch sie ist ehrgeizig, feilt an ihrer Karriere und wird schließlich Filialleiterin bei einer Bonner Bank. Dem massiven Stellenabbau zu Beginn des neuen Jahrtausends fällt auch ihr Arbeitsplatz zum Opfer. Mit 55 bemüht sie sich, einen Ausbildungsplatz als Altenpflegerin zu bekommen – und hat Erfolg. 

Auch ihr Privatleben ist von Höhen und Tiefen, Trennungen und Neuanfängen geprägt. Doch Brigitte Cleve gelingt es immer wieder, von vorne zu beginnen. Und sie verliert nie den Mut. Genau das macht dieses Buch so spannend.

Werde ich im Winter noch Blumen finden?

Erinnerungen „am Nachmittag eines Lebens“

Paperback

452 Seiten

ISBN-13: 978-3-8334-7664-8

Verlag: Books on Demand

Erscheinungsdatum: 06.08.2008

Sprache: Deutsch

Farbe: Nein

Gedanken beim lesen von „Ein Sandkorn im Meer“ von Patrycja Mundt

„Ein Sandkorn im Meer“
diese vier einfachen Worte waren der Antrieb mir dieses Taschenbuch mit 72 Seiten zu bestellen und mich darauf einzulassen.

Da ich generell in der Buchhandlung bestelle und die Großhändler noch keinen Lagerbestand hatten wurde meine Ungeduld noch vier Tage strapaziert. 
Die Widmung zeigt bereits das hier wirklich Herz und Seele mit Handarbeit eine Verbindung gefunden haben. Mann, Kinder, Oma und Freundin waren zusammen mit der Autorin anscheinend ein kreatives und funktionierendes Team. 

Die ersten Seiten zeigten mir sofort das die Autorin „meinen Nerv“ getroffen hat. Es wurde ja schon alles über Seele, Herz, Gefühl und Leben geschrieben. Diese Hürde überspringt die Autorin mühelos, wobei hier natürlich keine wirkliche Objektivität aus mir spricht, sondern einfach Begeisterung! Jeder Leser wird dieses Buch natürlich anders „fühlen“.

Die ersten 51 Seiten bilden jeweils auf zwei Seiten, eine wundervolle Einheit zwischen einfachen, kurzen und berührenden Aussagen und Bildern, teilweise in Aquarellform, die sofort das Kopfkino anlaufen lassen. Ich wurde mit den Worten auf die Seite daneben entführt und bin in die Bilder eingetaucht. 
Beim Lesen in den Gedanken und Gefühlen von Frau Mundt mitreisen zu dürfen war eine intensive Erfahrung, die mich auch beim mehrmaligen Lesen immer wieder neue Phantasien erleben ließ.

Ab Seite 52 hat die Autorin je Seite fünf bis sechs Zitate veröffentlicht, die ohne große und unverständliche Umwege, sich selbst und die Welt etwas besser verstehen lassen. 

Als Medizin in Wortform gegen den grauen Alltag und für Freude am Leben jederzeit einzunehmen. Die einzige Nebenwirkung besteht in einem gewissen Suchtverhalten immer mal wieder eine Dosis zu nehmen.

Das Buch ist ein Sandkorn im Meer, aber ein einmalig besonderes.


Einband

Taschenbuch
Seitenzahl
72
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-8422-4533-4
Verlag
Fischer Karin
Maße (L/B)
205/135 mm
Gewicht
105
Abbildungen
farbige Abbildungen
Auflage
Euro 14,80