Vaterwaise

Meine Gedanken waren zum Start des Tages bei meinen beiden Jungs ( beide 22 Jahre, eineiige Zwillinge ), deren beiden Plätze am kleinen Esstisch seit zwei Jahren nur noch sporadisch besetzt sind.
Ich wurde am gleichen Tag zweimal „Vaterwaise“ als die beiden ihren Lebensmittelpunkt nach München bzw. Starnberg verlegten, und dort mit Studium und Arbeit ihr eigenes Leben erleben. Es ist das schöne als Zwillingsvater, alles immer gleichzeitig und im Paket, sozusagen doppelt zu fühlen und mitmachen zu dürfen. Nun kam also vor zwei Jahren auch das Abnabeln im Gesamtpaket und ich habe dadurch auch ein neues Leben.
Ich kann mittlerweile entspannt erkennen wie toll sie ihren Weg gehen und welch spannende Menschen sie geworden ist. Hier danke ich dann ab und zu, so in mir ganz leise, ihrer Mutter, denn einen großen Anteil daran hatte sie. Auch wenn wir beide uns getrennt haben, die Kinder standen immer darüber und nie dazwischen und wir waren alle vier ein sehr gutes Team, dass immer miteinander daran arbeitete Familie zu sein, ohne als Familie zu leben.
Ich genieße nun diese Momente, mein Leben zu leben, und mich im Mittelpunkt zu haben, ohne eben die Mitte sein zu müssen. Ich kann ohne Pathos sagen, dass ich glücklich bin wie es ist,

Haarige Liebesbeziehung

Boah … bin ich grau geworden – sagte ich dem Spiegel
und mir.
Wir mussten diese Farbe wählen – antworteten
meine Haare im Chor.
Wieso denn gerade grau? – Ich darauf etwas vorwurfsvoll.
Du weigerst dich ja, richtig erwachsen zu sein.
Wir wahren zumindest die äusserliche Fassade.
Wie meint ihr das? – Ich in meiner kindlichen Neugier.
Du bist unbedarft und leichtsinnig
statt genormt und ernst.
Du glaubst, der Sommer hat kein Ende,
statt alles winterfest zu machen.

Du lässt Gefühle fühlen
statt Gedanken denken.
Du hast viele Farben in Dir
statt seriös einfarbig zu sein.
Wir mussten grau werden, damit du weiter bunt
sein kannst.
Warum seid ihr dann noch alle bei mir? Ausfallen wäre
doch ein leichtes.
Du hast uns immer uns sein lassen, ob schwarz,
grau, kurz oder lang.
Ja natürlich! Ich liebe euch genau wie ihr seid.
Und was man liebt, lässt man sich selbst sein.
Siehst du – frag nie mehr warum wir bleiben.

aus „Gefühlshonig“

Sonntag

jeden Sonntag verweilen

wir am Frühstückstisch

für zwei

deine Blicke kommen

nicht einfach in Worten

zu mir

sie umgarnen mich

in rosa Gier

nach Lippen und Gedanken

voller Träumerei

wir lieben uns zu sagen

spüren noch die Nacht

alle Worte würden es nur

falsch sagen

was uns beide

gerade glücklich macht

©Josef Ambrosch