Haarige Liebesbeziehung

Boah … bin ich grau geworden – sagte ich dem Spiegel
und mir.
Wir mussten diese Farbe wählen – antworteten
meine Haare im Chor.
Wieso denn gerade grau? – Ich darauf etwas vorwurfsvoll.
Du weigerst dich ja, richtig erwachsen zu sein.
Wir wahren zumindest die äusserliche Fassade.
Wie meint ihr das? – Ich in meiner kindlichen Neugier.
Du bist unbedarft und leichtsinnig
statt genormt und ernst.
Du glaubst, der Sommer hat kein Ende,
statt alles winterfest zu machen.

Du lässt Gefühle fühlen
statt Gedanken denken.
Du hast viele Farben in Dir
statt seriös einfarbig zu sein.
Wir mussten grau werden, damit du weiter bunt
sein kannst.
Warum seid ihr dann noch alle bei mir? Ausfallen wäre
doch ein leichtes.
Du hast uns immer uns sein lassen, ob schwarz,
grau, kurz oder lang.
Ja natürlich! Ich liebe euch genau wie ihr seid.
Und was man liebt, lässt man sich selbst sein.
Siehst du – frag nie mehr warum wir bleiben.

aus „Gefühlshonig“

Sonntag

jeden Sonntag verweilen

wir am Frühstückstisch

für zwei

deine Blicke kommen

nicht einfach in Worten

zu mir

sie umgarnen mich

in rosa Gier

nach Lippen und Gedanken

voller Träumerei

wir lieben uns zu sagen

spüren noch die Nacht

alle Worte würden es nur

falsch sagen

was uns beide

gerade glücklich macht

©Josef Ambrosch